| |
Am Altstadtrand von Thun, im Park einer
Herrschaftsvilla, steht ein hölzerner,
zweigeschossiger Neubaukörper mit sechs
Wohneinheiten. Das gemeinsam genutzte
Grundstück, umgeben von Hecken und Mauern,
ist geprägt von grossen Bäumen und einem
Teich. Das herrschaftliche Vorstadthaus wurde
in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege
sorgfältig saniert und den Anforderungen an
unsere Zeit angepasst. Dabei wurde die
historische Bausubstanz weitgehend geschont.
Mit einer einfachen Bauweise und einem
bescheidenen Ausbaustandard wurde versucht,
den neu erschaffenen Wohnraum an
bevorzugter aber teurer Lage erschwinglich zu
machen. Das Anliegen ist die materielle und
formale Reduktion. Zum einen werden die
Materialien möglichst pur in ihrer
ursprünglichen Beschaffenheit verwendet. Dies
kommt von aussen und innen durch die mehr
oder weniger roh belassenen Böden, Wände
und Decken zum Ausdruck. Zum andern erhält
das Gebäude eine präzise kubische Form ohne
jeglichen Schnörkel, welche in schönem
Kontrast zur Natur im umliegenden Park und
zur reich dekorierten Villa steht. Innen als
auch
aussen strahlt das Gebäude Klarheit
und Ruhe aus. |
|
Die bis zu 12 Meter langen Holzelemente
wurden mit hoher Präzision in einer Zimmerei
gefertigt und dann mit wenig Zeitaufwand an
Ort und Stelle montiert. Sie bestehen aus
wenigen, dampfdiffusionsoffenen Schichten:
von aussen nach innen, aus einer rohen
Zedernholzschalung, einer Holzlattung bzw.
Hinterlüftung, einer Weichfaserplatte,
Zellulosedämmstoff sowie einer unbehandelten
Gipsfaserplatte. Die Dachelemente bestehen
von unten nach oben aus einer 6 m langen,
elementbreiten Dreischichtplatte aus
Fichtenholz, die durch eine
Schraubpressleimung mit den Bohlen
verbunden ist. Der Zwischenraum ist gefüllt mit
Zellulosendämmstoff. Durch den direkt mit den
Bohlen verschraubten Lärchenriemenboden
entstehen flügelähnliche, sehr leichte
und trotzdem stabile Deckenelemente. Die
naturbelassenen Lärchenfenster wurden aussen
angeschlagen und mit einer 1,0 k-
Isolierverglasung ausgerüstet.
Einfach Bauen braucht Mut. Die Bauherrschaft
hat Mut bewiesen durch den Verzicht auf einige
heute übliche Ausbaustandards und
Materialveredelungen. |